Inklusive Museumspädagogik in Lorsch

Um mehr Gruppen mit Förderbedarf betreuen zu können, stellt der Lions-Club Bergstraße-Bensheim Geld zur Verfügung

Das Selbsterfahrungs-Experiment funktioniert – mal besser, mal erst im zweiten oder dritten Versuch: Der Funke fliegt, aber nur, wenn das Schlageisen mit der nötigen Wucht auf die scharfe Kante des Feuersteins knallt. Schon glimmt der Pflanzenzunder im offenen Kamin. Als weit schwierigere Herausforderung entpuppt sich der Umgang mit den vorgefärbten Kett- und Schussfäden am hölzernen Webstuhl: Ohne Fingerspitzengefühl und Präzision geht hier nichts. Als leichtere Übung erweist sich die Betätigung der Handmühle, bis das Urgetreide zwischen zwei kreisrunden Basaltsteinen zu Brotmehl zermalmt ist - mit möglichst wenig, weil sonst extrem gesundheitsschädlichem Materialabrieb.
Für den Besuch der kleinen Abordnung des Lions-Clubs Bergstraße im archäologischen Freilichtlabor Lauresham am östlichen Lorscher Stadtrand hatten die Gastgeberinnen Claudia Götz und Patricia Scheuermann aus gegebenem Anlass einen Praxistest vorbereitet, der weniger das Kind im Manne erwecken als einen praktischen Erkenntnisgewinn vermitteln sollte. Was auch eindrucksvoll gelang.
Claudia Götz leitet von der ersten Stunde an mit viel Erfolg die Museumspädagogik an der Welterbestätte Kloster Lorsch. Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Patricia Scheuermann, studierte Historikerin, organisiert sie den Bereich Bildung und Vermittlung. Das 1:1-Modell eines karolingischen Herrenhofs mit seinen Wirtschafts-, Wohn-, Speicher- und Stallbauten, einer kleinen Kapelle und einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von gut vier Hektar liefert die anschauliche Kulisse für eine Zeitreise in das Alltagsleben im frühen Mittelalter.

Förderschulen sollen beim Besuch in Lorsch unterstützt werden

Wer sich darauf einlässt, gewinnt nicht nur ein Gefühl für handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeitstechniken zu jener Zeit, sondern lernt auch eine Menge fürs soziale Zusammenwirken in der Gruppe: „Niemand ist Spezialist für alles. Wer sich gegenseitig hilft, schafft mehr“, nennt Patricia Scheuermann ein zentrales Lernziel.
„Wir sind kein Elfenbeinturm, sondern haben den Anspruch, die Ergebnisse von Forschung und Lehre an Ort und Stelle spielerisch und greifbar in kulturelle Bildung umzusetzen“, sagt Claudia Götz – und zwar maßgeschneidert für jede Klientel und barrierefrei. Das Zauberwort lautet Inklusion, das heißt: Niemand wird ausgeschlossen. Das aber ist oft leichter gesagt als getan. Nicht selten fehlt es an Geld und zusätzlichem Personal für organisatorisch aufwändigere Angebote. Hier setzt der Lions-Club an. „Herkunft, Bildungsstand, körperliche und geistige Beeinträchtigung dürfen kein Hindernis für die aktive Beteiligung am kulturellen Geschehen sein“, hat sich Thomas Metz vorgenommen.
Sein Bergsträßer Lions-Club will seinen kleinen Beitrag dazu leisten, weswegen er ein Startbudget von 2000 Euro zur Verfügung stellt, um mehr Gruppen mit Förderbedarf betreuen zu können. Indem zum Beispiel der Mehraufwand für einen Workshop bezuschusst, die Bus- oder Bahnfahrt nach Lorsch finanziert, zusätzliches Betreuungspersonal, der Einkauf von Lebensmitteln bezahlt oder bei Bedarf das Honorar für einen Gebärdendolmetscher übernommen wird. Das Angebot gilt, solange das Geld reicht, für Förderschulen, geistig und körperlich Behinderte oder Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen.