Der Bensheimer Lions-Club spendet 11.600 Euro für neue Bettwäsche und Dienstkleidung / Teilerlös aus der Adventskalender-Aktion
„Das Geld kommt wie gerufen.“ Just an dem Tag, an dem eine kleine Abordnung des Lions-Clubs Bergstraße-Bensheim eine Spende von 11.600 Euro als einen von sechs Teilbeträgen aus der Vermarktung von fast 8000 Adventskalendern überbrachte, hatte die Leitung des stationären Hospizes Bergstraße sich mit der Budgetplanung fürs nächste Jahr beschäftigt. Ein dicker Posten sind der Ersatz von Bettwäsche für die Gästezimmer und die Anschaffung luftiger Personalkleidung für heiße Sommermonate, alles im aufgehübschten Farbkonzept der grundsanierten und von acht auf zehn Plätze erweiterten Einrichtung, die ab dem 19. Januar wieder belegt werden kann.
„Wir verstehen uns nicht als Pflegeheim, sondern wollen so gut es geht, einen Ersatz für zu Hause bieten – ein bisschen WG-Gefühl“, beschreibt Miriam Ohl das Konzept: „Unser Anspruch ist es, dass wir alle spätestens nach drei Tagen auch die Angehörigen unserer Gäste namentlich kennen.“ Der persönliche Kontakt ist in der Sterbephase besonders wichtig. Knapp 80 Ehrenamtliche unterstützen die 28 hauptamtlich, überwiegend in Teilzeit in der Pflege Beschäftigten bei der Rundumbetreuung: Sie richten das Frühstück an, servieren das Mittag- und Abendessen, organisieren Friseurtermine, erledigen Wocheneinkäufe, helfen beim Schreibkram, halten den Garten in Schuss, besetzen den Empfang. Gemeinsam mit 35 angestellten Mitarbeitenden sorgen sie dafür, dass sich die Gäste und ihre Besucher jederzeit aufmerksam betreut und geborgen fühlen.
Zwei, allenfalls drei Wochen beträgt die durchschnittliche Verweildauer im stationären Hospiz, selten länger. Trotzdem ist die Einrichtung zu hundert Prozent ausgebucht. 95 Prozent der Kosten decken die Tagessätze der Krankenkassen. Der Rest, ein mittlerer sechsstelliger Betrag, muss über Spenden aufgebracht werden. Der Herausforderung, die Mittel einzuwerben, stellen sich Christine Palten, die für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising zuständig ist, und Geschäftsführerin Swantje Goebel aus Überzeugung. „Wie sonst sollen wir glaubwürdig gesellschaftliches Engagement einfordern?“, appelliert das Trio an die ethische Verpflichtung, Schwerkranke, Sterbende und Trauernde nicht allein zu lassen. Neben den 50 fest angestellten bilden 200 ehrenamtliche Aktive die zweite Säule in der stationären und ambulanten Arbeit unter dem Dach des Hospizvereins Bergstraße e.V.. Sie alle leisten ihren professionellen Beitrag, dass schwerkranke Menschen auf Wunsch in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Stark nachgefragt ist auch die Trauerbegleitung durch dafür speziell ausgebildete Kräfte. Das Angebot ist komplett spendenfinanziert. 160 Menschen haben die Dienste in diesem Jahr schon in Anspruch genommen.
„Hospiz ist mehr als eine Kultur des Umsorgens, Hospiz ist eine Haltung zum Leben, mit einem Wort: menschlich“, bringt Swantje Goebel die Mission des Hospizvereins auf den Punkt. Das passt perfekt zum Lions-Leitmotiv, sich uneigennützig in den Dienst am Nächsten einzubringen: finanziell, auch selbst zupackend, immer mit Einfühlungsvermögen für das, was Mitmenschen in besonderen Situationen brauchen. Für Sterbende und ihr Umfeld sind es vor allem Zeit und Zuwendung.
Dass die erstmals gemeinsam initiierte Adventskalender-Aktion der beiden Bergsträßer Lions-Clubs sich als wahre Erfolgsgeschichte entpuppte, beschert gleich sechs sozialen Einrichtungen einen unerwarteten Geldregen. Fast 66.000 Euro werden an sie ausgezahlt, über 800 Lotteriegewinne im Wert von annähernd 40.000 Euro ausgeschüttet. Für den Bensheimer Projektverantwortlichen Matthias Seip erfüllt sich damit die Erwartung, dass im Schulterschluss über Stadtgrenzen hinweg mehr erreicht werden kann. Die Kalender waren jedenfalls im Nu ausverkauft. Hinzu kamen großzügige Sach- und Geldspenden von Firmen und Privatpersonen für die Verlosung und die Aufstockung des Wohltätigkeits-Budgets. Außer dem Hospiz profitieren davon mit ebenfalls fünfstelligen Beträgen die Wohnungslosenhilfe und die Tafel in Bensheim, die Elterninitiative Sonnenkinder in Zwingenberg, die Caritas-Suppenküche in Heppenheim und das Sternenkinderzentrum Odenwald.


