Abzüglich der Kosten für die Produktion der Kalender verbleiben im gemeinsamen Topf stolze 66.000 Euro, die einem sozialen Zweck zufließen – getreu dem Wahlspruch des Gründers der internationalen Lions-Bewegung, Melvin Jones: „Du kommst nicht weit, bis du anfängst, etwas für andere zu tun.“
Konkret geschah dies dieser Tage mit einer vorweihnachtlichen Finanzspritze – 11.100 Euro - für die Wohnungslosenhilfe am Bensheimer Weidenring. Dort verschafften sich die Lionsmitglieder Matthias Seip, Christoph Bergner und Michael Schweiger im Austausch mit der Fördervereinsvorsitzenden Elke Ditter und zwei Bewohnern einen persönlichen Eindruck vom Alltag und den Herausforderungen vor Ort.
Das Haus bietet mehr als ein Dach auf Zeit über dem Kopf und ein paar warme Mahlzeiten: „Ziel ist es, jedem ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen – ein wahrer Marathon“, weiß Elke Ditter aus fast 30jähriger Erfahrung. Initialzündung für die Vereinsgründung und den Bau des Obdachlosenzentrums in Trägerschaft der Diakonie war der tragische Tod eines vielen Bensheimern ans Herz gewachsenen Nichtsesshaften, der in einer eiskalten Winternacht qualvoll erfroren war.
Seit 25 Jahren finden Menschen, die ihr Dasein auf der Straße fristen, Zuflucht am Weidenring: für eine Nacht, ein paar Tage und manchmal auch länger. Denn es hat sich eine Menge verändert seit den Anfangsjahren. Neben immer älteren kommen zunehmend sehr junge Menschen ins Obdachlosenzentrum. Eine Entwicklung, die einerseits für eine verbesserte medizinische und soziale Betreuung spricht, und andererseits offenlegt, dass schon im jugendlichen Alter Schicksale und schlimme Biografien ins Abseits führen können. So tragisch das ist: Gerade für diese Altersgruppe bietet sich die realistische Chance, in ein strukturiertes Leben zurückzufinden. Sechs- bis achtmal pro Jahr gelingt – mit Unterstützung der Bensheimer Einrichtung – der Turnaround: in Arbeit und einen festen Wohnsitz. Beides bedingt sich gegenseitig.
Meist sind es aber die kleinen Schritte, die im Zentrum gegangen werden. Körperpflege, gemeinsames Essen und Spielen, Hilfen beim Ausfüllen von Formularen, Unterstützung bei Arztbesuchen, die Beschaffung von Kleidung, Schuhen, Hygieneartikeln oder Brillen, die Begleichung von Fahrtkosten und Tierarztrechnungen. Der Förderverein leistet hier einen unverzichtbaren ehrenamtlichen Beitrag.
Ganz oben auf der aktuellen Agenda steht der Bezug eines Hauses für Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre, denen eine Karriere auf der Straße erspart bleiben soll. Die Diakonie will hierfür die Voraussetzungen schaffen, der Verein tatkräftig unterstützen.
Nicht minder ambitioniert ist ein Programm, das straffällig Gewordenen das Gefängnis und Vater Staat viel Geld erspart: „Schwitzen statt sitzen“ bringt für alle einen Mehrwert: Um nicht im – teuren - Strafvollzug zu landen, kümmern sich Verurteilte unter Anleitung eines hauptamtlichen Profis um die Pflege von Grünflächen. Ein vernünftiges Konzept, von der auch die Allgemeinheit etwas hat, zeigte sich das Lions-Trio beim Besuch am Weidenring beeindruckt.
„Unsere Spende ist beim Förderverein Hilfe für Wohnungslose in besten Händen“, bedankt sich Matthias Seip bei allen, die ihren Anteil zum herausragenden Ergebnis der bisher größten Lions-Einzelinitiative beigesteuert haben. Die erste wird nicht die letzte gemeinsame Auflage des Lions-Adventskalenders gewesen sein.