150 Weihnachtsgutscheine für die Rentner der Tafel

Der Lions-Club Bergstraße-Bensheim bescherte Menschen, die sich Weihnachtsgeschenke sonst nicht leisten können

Bensheim. „Wir haben Lebensmittel im Überfluss“, berichtet Mariette Rettig, die Vorsitzende der Bensheimer Tafel. So viel, dass eine Menge in der Biotonne oder im Restmüll landet – aus den privaten Haushalten, aber auch aus den Regalen von Supermärkten, Discountern, Bäcker- und Metzgereien oder aus den Lagerhallen von Speditionen.

Lebensmittel vor Verschwendung zu retten und eine Brücke zwischen Überfluss und Armut zu schlagen: Das war von Anfang an die Idee und ist unverändert der Antrieb der in den 1990-er Jahren in Berlin begründeten Tafelbewegung. In Bensheim ist sie vor zwei Jahrzehnten angekommen. 250 Helferinnen und Helfer kümmern sich, allesamt ehrenamtlich, darum, dass das Überangebot an Lebensmitteln nicht weggeworfen, sondern an Menschen verteilt wird, „denen es nicht gut geht“, wie Jochen Henke es formuliert. Der frühere Unternehmer hat sich in Bensheim als Mäzen gleich mehrerer sozialer Projekte einen Namen gemacht. Das von ihm komplett finanzierte Gebäude der Tafel an der Rheinstraße ist nach ihm benannt. Zudem packt der selbstlose Förderer schon im 18. Jahr  auch selbst an – hinter dem Steuer eines von inzwischen drei Tiefkühltransportern, mit denen die aus dem Verkauf genommene Ware täglich bei den Händlern abgeholt und zur Tafel gebracht wird.

Eigentlich mag Henke kein Aufheben um seine Person. Wenn er trotzdem, wie dieser Tage bei einer vorweihnachtlichen Feier für die Rentnerinnen und Rentner der Tafel persönlich erscheint, dann,  weil er andere zum Mitmachen animieren will. Wie dies auch in diesem Jahr wieder die Mitglieder des Lions-Clubs Bergstraße-Bensheim taten. Beim Weihnachtsmarkt bewirtschafteten sie vier Tage lang eine Bude und besserten mit dem Verkauf von Mistelzweigen und selbst gebackenen Plätzchen den Nettoertrag auf. Er diente als Grundstock für die Finanzierung von 150 Einkaufsgutscheinen im Einzelwert von 50 Euro für die ältere Tafel-Klientel. Ihr Anteil an der erstmals zahlenmäßig stagnierenden Gesamtkundschaft wächst beständig, wie auch die Zahl alleinerziehender Mütter.

Wie oft und wie viel ein Tafel-Kunde für einen symbolischen Euro an der Rheinstraße einkaufen darf, ob nur einmal im Monat oder jede Woche, hängt von der materiellen Bedürftigkeit und der Familienkonstellation ab.  Aktuell sind 1400 Berechtigungskarten mit den relevanten Informationen im Umlauf. Dass alles seine Richtigkeit hat, wird von Mariette Rettig und ihrem Team akribisch kontrolliert. Genau hingesehen wurde auch bei der Überreichung der Gutscheine durch die Lions-Mitglieder Holger Frank und Karl-Heinz Schlitt. Zur Einstimmung auf die „Bescherung“ las die Tafel-Chefin eine Weihnachtsgeschichte vor. Die stellvertretende Vorsitzende Ursula Krieger-Herte (Klarinette) und ihr ebenfalls zum Stammpersonal zählender Mitstreiter Alois Scholz am Keyboard gaben den Takt und die Melodie für drei gemeinsam gesungene Weihnachtslieder vor. Am Ausgang gab es dann nur strahlende Gesichter und ein hundertfaches Dankeschön für die vom Lions-Club mit Unterstützung durch das Kaufhaus Ganz zum vierten Mal ermöglichte Wunscherfüllung zum Fest.

Damit die Einkaufstaschen nicht nur aus gegebenem Anlass voll sind, leistet die Tafel-Crew Woche für Woche annähernd 700 Arbeitsstunden. Mehr als 50 Geschäfte sowie Produktionsbetriebe und Warenversicherungen steuern regelmäßig Lebensmittel bei, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem Verkauf genommen, aber noch mit Genuss verzehrt werden können. 18 Tonnen Lebensmittel werden wöchentlich für die Ausgabe an bedürftige Menschen eingesammelt. Damit nichts verdirbt, nimmt die Tafel demnächst ein modernes Tiefkühlhaus in Betrieb. Was in Bensheim nicht gebraucht wird, kommt benachbarten Tafeln zugute.  Gelegentlich liegen auch bei ihnen Mangel und Überfluss nah beieinander.